Deutsche Kritiken

7.4.2016, 19 Uhr: Konzert in der Synagoge Ulm

Ulm 105 7.4.2016

Über 50 Gäste waren gekommen um einem wunderbaren klassischen Konzert mit Instrumenten zu lauschen, die man im Orchester vor allem als Begleitinstrumente kennt. Friedrich Edelmann, Fagott, und Rebecca Rust, Cello, spielten Werke von Bach, Haydn, Mozart und auch eher unbekannten jüdischen Komponisten. Herr Edelmann führte sehr persönlich in Komponisten und Werke ein.

Das Ehepaar hat ein großes Repertoire für ihre Instrumente arrangiert, doch Mozart beispielsweise schrieb in München eine Sonate für Fagott und Cello, die Rust und Edelmann präsentierten. Und der israelisch Komponist Max Stern komponierte speziell für Rust und Edelmann ein Werk, basierend auf kurdischen und sephardischen Melodien, die zu den hohen jüdischen Feiertagen gesungen werden.

Beeindruckend war auch das Divertimento von Hans Gál. Hans Gál wurde 1890 in Niederösterreich geboren und übernahm 1929 den Direktorenposten des Konservatoriums der Stadt Mainz. Doch bereits 1933, nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler im Januar 1933, musste Gál Deutschland verlassen, da er ungarisch-jüdischer Abstammung war. Er emigrierte 1938 nach England und wurde 1940  als Deutscher – Enemy Alien – interniert. Das Publikum genoss den Dialog zwischen den beiden Instrumenten Fagott und Cello, die einen Dialog führten wie in einer Ehe, so Edelmann.

Die amerikanische Cellistin Rebecca Rust, die ihre Musikausbildung mit 5 Jahren begann, studierte in New York und machte ihr Solistendiplom in Köln. Meisterkursen bei Rostropowitsch folgten solistische Konzerte in Europa, Amerika und Asien. Sie spielt ein Musikinstrument aus dem Jahre 1791. Ihr Ehemann Friedrich Edelmann, von 1977 bis 2004 Solofagottist der Münchner Philharmoniker unter S. Celibidache und J. Levine, gibt sein Wissen und seine Erfahrungen weltweit in Meisterkursen weiter. Heute, nach ihrer Pensonierung , konzertiert das Ehepaar jährlich in Kalifornien, Japan und auch in ihrer derzeitigen Heimat, Süddeutschland. Danke für dieses traumhafte Konzert, Rebecca Rust und Friedrich Edelmann!

image004

  1. April 2016 00:40 Uhr   2016-04-09 00:40:33.0

KONZERT
Ein Ehepaar auf musikalischer Mission

Rebecca Rust und Friedrich Edelmann überzeugten bereits den Kaiser von Japan – und jetzt auch Ulms Bürger

image007 image005-1

Rebecca Rust und Friedrich Edelmann in der Ulmer Synagoge.

Es gibt nur wenig Literatur für ein Duo aus Fagott und Cello. Das Ehepaar Rebecca Rust und Friedrich Edelmann verlängerte dieses kleine Repertoire dadurch, dass Komponisten den beiden eigene Werke widmeten. Inzwischen reisen Edelmann und Rust gemeinsam zu Konzerten um die Welt. Im Festsaal der Ulmer Synagoge begeisterten sie die Zuhörer auf Einladung der deutsch-israelischen Gesellschaft Ulm/Neu-Ulm mit Harmonie und Virtuosität.

Im vergangenen Jahr spielten Edelmann und Rust noch vor dem japanischen Kaiserpaar – nun in Ulm. Sie gehören zu den Großen ihres Fachs: Edelmann war 27 Jahre lang Solo-Fagottist der Münchner Philharmoniker. Die in Kalifornien aufgewachsene Rust wurde als eine der wichtigsten Cellistinnen der USA gefeiert.

Die Programmauswahl in Ulm war bewusst gemischt: Sie spielten barocke Klangtraditionen, daneben Haydn, Bach und Mozarts in München komponierte B-Dur-Sonate für Fagott und Cello. Auch Raritäten von jüdischen Komponisten des 20. Jahrhunderts waren dabei. Zu einem Höhepunkt wurde allerdings das einzige Werk eines lebenden Komponisten, des in den USA geborenen und in Israel lebenden Max Stern. Dieser komponierte das viersätzige Werk „Songs of Ascents“ speziell für das Ehepaar – auf der Basis 2000 Jahre alter ritueller Gesänge, kurdischer und sephardischer Melodien. Die vier Sätze umfassen den Ruf zum Aufstieg auf einen Berg, die Prozession dorthin, das Gebet auf dem Gipfel und die Rückkehr. Faszinierend war, wie das Fagott dem Widderhorn Schofar ähnlich klingen und wie das Cello Töne der Harfe aufnehmen kann. Auf humoristische Weise präsentierte das Ehepaar den 1890 in Niederösterreich geborenen Komponisten Hans Gál, Lehrer am Wiener Konservatorium und Mainzer Konservatoriumsdirektor. Dieser arbeitete nach seiner Flucht vor dem Nationalsozialismus in Edinburgh und blieb seinem spätromantischen Stil treu – auch entgegen moderner Strömungen. In seinem Dialog-Divertimento wirken Cello und Fagott wie ein uneiniges Paar, dessen Streit immer wieder aufflackert und bei dem letztlich die Frau – das Cello – gegenüber dem Mann – dem Fagott – das letzte Wort hat. So gesehen ist es merkwürdig, dass sich wenig Literatur für Fagott-Cello-Duos findet. Der Klang macht die Instrumente zu harmonischen Partnern, zumindest bei Edelmann und Rust. (hub)

 

BRUNNEN-KRITIK-2014-12-09

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, München

3. Januar 2016, 18:41 Uhr

Eichenau: „Wie aus der guten alten Zeit“

Munich, Jan 3 2016

Mal leidenschaftlich, mal zurückhaltend: Christian Brembeck und Rebecca Rust am letzten Tag des Jahres 2015.

Cellistin Rebecca Rust und Pianist Christian Brembeck in Eichenau

Von Klaus Mohr, Eichenau

Es hätte eine Nebensächlichkeit sein können, erhielt dann aber eine fast programmatische Note: Auf der Bühne des modernen und nüchternen Kardinal-Döpfner-Saales im Eichenauer Pfarrzentrum stand ein Stuhl, wie er sich in alten, urgemütlichen Wirtshäusern findet, und auf ihm lag ein buntes Kissen. Dieser Stuhl war reserviert für Rebecca Rust mit ihrem Violoncello aus Mozarts Todesjahr 1791. Am Silvesterabend war Christian Brembeck ihr Kammermusikpartner an dem Nachbau eines Wiener Hammerflügels aus dem Jahr 1805. Auf dem Programm standen Werke von Robert Schumann, Ludwig van Beethoven und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Das chronologisch zuletzt entstandene Werk stand am Beginn: Robert Schumanns Adagio und Allegro in As-Dur op. 70 aus dem Jahr 1849. Die Cellistin fand im Adagio vom ersten Takt an einen wunderbaren Weg, ihren klar entschlossenen Ton mit Wärme und ausgeglichenem Vibrato zu verbinden. Der hell silbrige, ganz schlanke Klang des Hammerklaviers bildete dazu auf den ersten Blick einen Kontrast, doch war er bei genauerem Zuhören eher eine sinnfällige Ergänzung. Das hatte damit zu tun, dass dem Melodieinstrument in dieser Romanze mehr ausgedehnte Kantilenen zugedacht sind, während das Tasteninstrument diese mit vielerlei Spielfiguren in ein harmonisches Gewand hüllt. Die Sonorität des Tons übernahm Rebecca Rust auch ins folgende Allegro, was aber nicht zu Lasten eines flexiblen Bogenstrichs ging. Intensive Dialoge zwischen beiden Instrumenten veränderten die klanglichen Gewichte zwischen ihnen, doch blieb der Primat des Cellos stets erhalten. Hinzu kam eine deutlich spürbare Leidenschaftlichkeit im Gestus, deren Wurzel eine Spur Virtuosität nur an der Oberfläche war. Wer das Publikum beobachtete, konnte feststellen, mit welcher Konzentration es gebannt den Klängen lauschte. Das war dem tiefer liegenden Umstand zu verdanken, dass dem Ton der Cellistin eine ganz persönliche Seele zugrunde lag, der intuitiv Saiten in den Zuhörern zum Klingen brachte. Wie gemütliche Wirtshäuser auch, so ist ein solches Musizieren heute sehr selten geworden, hat aber, wie hier zu erleben, nichts an Attraktivität verloren.

Zwei Sonaten folgten, zunächst die in A-Dur op. 69 von Ludwig van Beethoven und dann die in D-Dur op. 58 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Beiden Werken war gemeinsam, dass ihre jeweils ersten Sätze im Allegro-Tempo so in sich geschlossen und abgerundet waren, dass die Sonaten an dieser Stelle hätten auch schon zu Ende sein können. Vielleicht war es mehr die Konvention, die einen Beifall an dieser Stelle verhinderte. Bei Beethoven verschmolzen die beiden Musiker die unterschiedlichen thematischen und spieltechnischen Ansatzpunkte zu einer sinnlogischen Einheit. Mendelssohns Kopfsatz war so von unendlicher Kantabilität durchströmt, dass der Hörer wie leicht benommen den Musikern folgte. In letzterem Werk schloss sich ein schön fließendes Allegretto an, das mit der Kombination aus gezupften Tönen beim Violoncello und Staccato-Anschlag beim Hammerklavier überzeugte. Wie sprechende Musik mutete das Adagio an, wobei das Cello die Rolle des Sängers übernahm. Kraftvoll und voll klanglicher Intensität gelang schließlich der Allegro-Finalsatz. Das Scherzo der Beethoven-Sonate lebte von einem sublimierten Klang, in dem die Pausen wichtiger waren als die Töne. Federnde Eleganz und Esprit beherrschten den Schlusssatz, der dadurch gelöst und heiter wirkte.

Die fast unausweichliche Zugabe, Mendelssohns einziges “Lied ohne Worte” für Violoncello und Klavier in D-Dur op. 109, erklang als zweite Zugabe und absoluter Schlusspunkt. Zuvor hatten die Musiker Edvard Elgars “Salut d’amour” in einer weder sentimentalen noch kitschigen, sondern abgeklärt zurückhaltenden Interpretation gespielt. Die Konzertgemeinde ließ anschließend das Jahr bei einem Glas Sekt im Foyer ausklingen.

Roseninsel Starnberger See

Roseninsel Starnberger See


KunstRäume am See: Liebestrank auf der Roseninsel

von Sabine Zaplin, 19.08.2014 15.08.2014 / Casino auf der Roseninsel, Feldafing  (www.kulturwelle5.de  19.8.2014)

„Ein abendlicher Liebestrank klassischer Musik“ wurde am Freitag im Königlichen Casino auf der Roseninsel ausgeschenkt, gekonnt gemixt und überreicht von der Cellistin Rebecca Rust und dem Fagottisten Friedrich Edelmann. Eingeladen hatte „KunstRäume am See“ in einen der wohl schönsten und geheimnisvollsten Kunsträume, die der Starnberger See zu bieten hat. Bei berauschender Musik und phantastischen Wolkentheater hinter den Glasflügeltüren durfte ein ausgewählter Kreis an Zuhörern ein erlesenes Kunsterlebnis genießen.

Das Kammerkonzertprogramm für Cello und Fagott schien wie gemacht für die Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Casinos, in dem sich einst König Ludwig und die spätere Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi, heimlich trafen und kleine Liebesbotschaften miteinander austauschten. Schon die Anfahrt mit dem Kahn vom Possenhofener Ufer aus ließ die Zuhörer des Konzertes zu einer kleinen, verschworenen Gemeinschaft werden, die an den staunenden Spaziergängern vorbei an Bord ging, sich rasch und schweigend übersetzen ließ, um dann, zumeist edel gekleidet, festen Schrittes dem kleinen Gebäude mit dem imposanten Turm entgegen zu schreiten  und, als sei es per Kassiber so verabredet worden, auf den bereitgestellten Stühlen im Salon Platz zu nehmen.

Was dann folgte, war ein vergnüglicher Dialog zwischen zwei königlichen Instrumenten, dem Cello und dem Fagott. Fagottist Friedrich Edelmann führte amüsant und kenntnisreich durch das Programm, streute Informationen und kleine Anekdoten ein und gab so die Rolle des charmanten Gastgebers, während Rebecca Rust – ganz „Dame des Hauses“ – sich vornehm zurückhielt und währenddessen wie eine Zauberin den versprochenen „Liebestrank“ bereithielt. Am Anfang standen, als „Grundnote“ des Elixiers,  zwei Sätze aus einer Sonate von Luigi Boccherini, die dieser ursprünglich für zwei Celli komponiert hatte. Edelmanns Fagott übernimmt hier den Part eines fast faunisch kecken Dialogpartners des Cellos von Rebecca Rust, welches das Gespräch mit dem Lächeln des Erdgeistes über den Übermut des Kobolds begeistert aufnimmt. Der Grundton des Abends war festgelegt, das Wechselspiel der Temperamente setzte sich fort, mal komödiantisch, mal elegisch.

Ein Werk von Wolfgang Amadeus Mozart, von diesem original für die Besetzung Cello und Fagott komponiert, stand vor der Pause – der erst 19-jährige Mozart hatte es für einen befreundeten Fagottisten als Dank für dessen Gastfreundschaft während seines Bewerbungsaufenthaltes in München geschrieben. Ein anderes künstlerisches „Gastgeschenk“ markierte das Ende des Programms: ein Duetto von Gioacchino Rossini, das dieser einem befreundeten Cellisten gewidmet hat. „Den Champagner nach der leichten Kost“, nannte Edelmann das spritzige Stück, und tatsächlich war das Programm wie ein erlesenes Menue zusammengestellt – eine akzentuiert gewürzte Sonate von Ludwig van Beethoven bildete einen der Hauptgänge neben zwei reichhaltig zubereiteten, den Gaumen kitzelnden Sätzen aus einer Cellosonate von Johann Sebastian Bach. Ein überraschender Zwischengang war dann, unter anderem ein „Vivace“ aus einer Sonate von Willem de Fesch, das durch seine rhythmischen Verschiebungen fast jazz-ähnliche Elemente bereithielt.

Das melancholisch geerdete Cello und das keck temperamentvolle Fagott entsprachen hinsichtlich ihres Temperamentes so kongenial ihren Interpreten, das man versucht ist, vom Fagott Edelmann zu sprechen und vom Cello Rust. Dieser „L´Elisir d`Amore“ war eine bezaubernde und sehr besondere Abendgesellschaft auf geschichtsträchtigem Boden – gekrönt von zwei perlenden Zugaben. Noch mehr Champagner!
________________________________________________________________________________________________

SZ     Süddeutsche Zeitung vom 18. August 2014

LIEBESRAUSCH 

Rebecca Rust und Friedrich Edelmann spielen im Casino auf der Roseninsel

Das zauberhafte Casino der Roseninsel ist ein für Kammermusik in Kleinstbesetzungen geradezu prädestinierter Ort. Mit seiner pompejanischen Ausmalung ist der Gartensalon ein Liebesnest von klassischer Schönheit, den ja schon Kaiserin Sisi und König Ludwig II. wohl nur auf platonische Weise eingeweiht hatten. Was sollte dort also sonst erklingen, wenn nicht “L’Elisir d’Amore”?

Nein, Donizettis Liebestrank kam hier nicht vor. Dennoch servierten die Cellistin Rebecca Rust und der Fagottist Friedrich Edelmann einen musikalischen Liebesrausch vom Feinsten. Nicht zuletzt deshalb so reizvoll, weil die intensive, kantable Charakteristik der Instrumente überaus sinnenfreudig anspricht und einen beachtlichen Farbenreichtum hervorzubringen vermag. Von der Musikliteratur her ging die Seereise ins 18. und 19. Jahrhundert diverser Länder und Landschaften, teils in Adaptionen für die eher selten im Original bedachte instrumentale Konstellation.

Mit Boccherinis Sonate C-Dur stimmte das Duo mit tänzerischer Leichtigkeit – heiter ausgelassen und feierlich schreitend – auf den melancholisch-vergnüglichen Frühabend ein. Auch Mozart hatte einen Sinn fürs gegenseitige Umgarnen der Instrumente, wie in der jugendlichen Sonate B-Dur KV 292, die in gewohnten Kontrasten bravourösen, klangvollen Passagen sangliche Melodik gegenüberstellte.

Der Flame Jean-Baptiste Loeillet wie der Niederländer Willem de Fesch waren zwar stark von den Italienern beeinflußt, fanden aber auch zu einer eigenen persönlichen Note. Während Loeillet in der Suite g-moll ein weites Spektrum von feierlich-melancholischer Atmosphäre über vergnügte Heiterkeit oder rhythmisiertes Schreiten bis zum kraftvollen Fortspinnen im pochenden Duktus präsentierte, glänzte de Fesch lediglich mit einem  Vivace aus  der  Sonate op. 8 mit einem dichten Geflecht von rhythmischer Raffinesse. Die Beethoven zugeschriebene Sonate C-Dur WoO 27 gab dem Duo Rust und Edelmann indes eine reizvolle Entwicklung vom lyrischen Sinnieren bis zu spritziger Leichtigkeit mit dichter Melodik an die Hand.

Solistische Cellowerke brachten in ihrer Konzentration wirkungsvolle Zäsuren ins Programm, zumal Rust mit feinsinniger, auf Schönklang bedachter Differenzierung den Gestaltungsfreiraum maßvoll nutzte. Die Sätze aus Suiten von Bach (d-moll BWV 1008) und Reger (d-moll op. 131c/2) fügten sich mit ihrer virtuosen Kraft und ihrem leidenschaftlichen Impetus in die Liebesthematik, die schließlich aus Rossinis Feder fulminant zu einem guten Ende geführt werden sollte. Das Duetto D-Dur resümierte vom tänzerischen Ansatz über wehmütigen Gesang und fesselnde Erzählung bis hin zum musikantischen Kehraus. Begeisterter Applaus und zwei Zugaben.            Reinhard Palmer